Die Apfelkrise

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir haben vorgestern wieder einmal sämtliche Äpfel in unserem Obstgarten geklaubt und dann zur nächsten Pressobst-Annahmestelle gebracht (wie so oft in dieser Jahreszeit). Stolze 500 kg brachten wir auf die Waage, dafür buckelten wir insgesamt 12 Stunden durch die Obstwiesen. Bekommen haben wir dann 6 cent pro Kilogramm, also 30 Euronen. Heraus kommt also ein Stundenlohn von 2,4 Euro nur für’s Klauben! Würde man in diese Rechnung noch die Zeit für das Hinbringen zur Annahmestelle und die gesamte Obstgartenpflege einbeziehen, geht der Stundenlohn dann in Richtung Null.

Gottseidank tun wir gern Obstklauben, zumindest bei so schönem Wetter wie diese Woche. Die Erzeugung von wertvollem Pressobst ist also eines unserer Hobbies.

Es gibt aber auch viele Bauern und Bäuerinnen in Österreich (und weltweit), die vom Obst leben und damit auch mit diesen Preisen leben müssen. Die tun uns leid, da sie sich mit Weltmarktpreisen herumschlagen müssen und kein CSA-Projekt als Stütze haben (Obst-CSA gibt es in Österreich bis dato leider noch nicht). Und wir verstehen sie, wenn sie die Äpfel erst gar nicht ernten, um nicht durch bezahlte ErntehelferInnen noch mehr Verluste zu machen. Tipp für die Zukunft an die Obsterzeuger: Stellt euren Betrieb auf eine regionale CSA um, so nehmen euch eure ErnteteilerInnen die Ernte zu einem fairen und stabilen Preis ab. (Aber zugegeben ist eine CSA-Gründung auch nicht jedermans Sache…)

Wie kommt nun so ein niedriger Preis zustande? (In anderen Jahren war er mit ungefähr doppelter Höhe aber auch weit entfernt von wertschätzend.) Wir glauben, dass doch die Russland-Krise mit dem Importstopp für Gemüse und Obst aus der EU den größten Einfluss auf den Preisverfall hat. Zuviel Obst ist am europäischen Markt, der Preis stürzt in den Keller. Natürlich kann es auch sein, dass die Industrie die Gunst der Stunde nutzt und noch niedrigere Preise zahlt, um ihre Gewinne zu maximieren. Jedenfalls wird spürbar, dass uns das globale Geschehen unmittelbar betrifft, auch wenn wir versuchen weitgehend regional zu wirtschaften. Und das Pressobst ist ja nur ein kleines Beispiel. Bauern und Bäuerinnen, die in tropischen Ländern Kaffee für den Weltmarkt produzieren, müssen seit Jahren noch viel größere Preisverfälle in Kauf nehmen.

Also Leute, besinnt euch auf stabile, regionale, überschaubare Kreisläufe, esst viel Äpfel (das ist saisonal!, siehe Rezepte), kauft sie von Bauern aus der Gegend, oder noch besser: Gründet CSAs! (Den Punkt mit dem CSA habt ihr schon erledigt…)

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